Kurz gesagt
- CBME konzentriert sich auf das Training von Kompetenzen statt auf das bloße „Zählen von Prozeduren“.
- Kompetenzen werden im Rahmen eines programmatischen Assessments bewertet.
- Durch gezielte Stichproben („Sampling“) entsteht Bewertung zum Lernen (assessment FOR learning) anstelle von Bewertung des Lernens (assessment OF learning).
Wozu das Ganze?
Wenn du oder jemand aus deiner Familie medizinische Hilfe braucht, möchtest du sicher sein, dass die behandelnde Person eine kompetente Fachkraft ist.
Aber woher wissen wir das eigentlich?
Fast alle Ärztinnen und Ärzte durchlaufen ein ähnliches Ausbildungssystem: eine festgelegte Anzahl an Jahren für das Medizinstudium, gefolgt von einer festgelegten Zahl an Jahren für die Facharztausbildung. Auf dem Weg dorthin werden Kurse besucht, Zertifikate gesammelt und Prüfungen abgelegt, um in die nächste Ausbildungsstufe zu gelangen. Entscheidend ist meist, dass eine bestimmte Zeit in der Ausbildung verbracht und eine bestimmte Anzahl an Kursen, Prozeduren oder Prüfungen absolviert wurde.
Doch Lernende sind – wie alle Menschen – unterschiedlich. Jede und jeder lernt auf eigene Weise und in unterschiedlichem Tempo: Manche brauchen fünf Wiederholungen, um etwas zu verstehen, andere kämpfen selbst nach fünfzig noch damit.
Warum CBME?
Hier liegt der Kern der Competency-Based Medical Education (CBME).
Das Ziel von CBME ist es, sich auf die Ergebnisse zu konzentrieren – sicherzustellen, dass Lernende am Ende der Ausbildung wirklich kompetente Fachpersonen sind. Dabei ist die Kompetenz die Konstante, während Ausbildungszeit und Anzahl der Prozeduren zu variablen Größen werden.
Doch die Frage ist: Wie messen wir Kompetenz?
Um etwas messen zu können, müssen wir es zuerst definieren. Deshalb wurden in den letzten 20 Jahren verschiedene CBME-Frameworks entwickelt – darunter das bekannte CanMEDS-Framework. Diese Modelle beschreiben detailliert, wie ein kompetenter Arzt oder eine kompetente Ärztin am Ende der Ausbildung aussehen sollte.
Das CanMEDS-Modell beispielsweise definiert sieben Rollen, die ein kompetenter Arzt verkörpern soll, und beschreibt zu jeder Rolle die entsprechenden Fähigkeiten und Eigenschaften. Anhand dieser Beschreibungen lässt sich prüfen, ob eine lernende Person die Anforderungen bereits erfüllt – oder noch nicht.
Medizinische Ausbildung findet überwiegend am Arbeitsplatz statt.
Daher sollte Kompetenz idealerweise direkt am Ort des Geschehens beurteilt werden – nicht nur durch schriftliche Tests.
Die schlechte Nachricht:
Die Beurteilung der Leistung am Arbeitsplatz kann nie völlig objektiv sein. Sie hängt immer vom Kontext ab – also von der lernenden Person, der betreuenden Person, ihrer Beziehung, der Aufgabe oder deren Komplexität.
Die gute Nachricht:
Eine gut durchdachte Sampling-Strategie kann dieses Problem lösen.
Ein realistisches Bild von der Kompetenz einer Person entsteht nur, wenn viele kleine, niedrigschwellige Arbeitsplatzbeurteilungen gesammelt werden. Dieses Prinzip nennt sich Programmatic Assessment.
Programmatic Assessment bedeutet:
Wir brauchen ein System, das sicherstellt, dass alle wichtigen Aspekte der Lernenden regelmäßig beurteilt werden. Wichtige Entscheidungen – etwa der Abschluss eines Ausbildungsabschnitts – sollten immer auf mehreren kleineren Beurteilungen basieren. Idealerweise trifft nicht eine einzelne Person diese Entscheidung, sondern ein Kompetenzkomitee, das alle verfügbaren Daten gemeinsam analysiert.
„Sampling, Sampling, Sampling“
Ein zentrales Element ist also ein System, das fortlaufend Arbeitsplatzbeurteilungen sowie andere Nachweise von Kompetenz (z. B. Kurszertifikate, schriftliche Tests, Multisource Feedback usw.) sammelt.
Mit programmatic assessment geht auch ein Kulturwandel einher – weg von der Bewertung des Lernens (assessment OF learning) hin zur Bewertung zum Lernen (assessment FOR learning):
Jede Beurteilungssituation soll so gestaltet sein, dass sie den Lernprozess fördert.
CBME erfüllt die Erwartungen der Gesellschaft
Wenn ich ärztliche Hilfe brauche und weiß, dass mein Arzt oder meine Ärztin ein wirklich kompetenzbasiertes Curriculum mit programmatischer Beurteilung durchlaufen hat – unabhängig davon, wie lange es gedauert hat –, kann ich sicher sein: Diese Person ist kompetent, mir bei meinem gesundheitlichen Problem zu helfen.
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05. November 2025